Home » Blog » WARUM DESIGN KEINE LÜGE IST – KONSEQUENZEN VON RESPONSIVE WEBDESIGN | STOE & CIE GMBH

CORPORATE UND WEBDESIGN FÜR DEN HIGHTECH-MITTELSTAND AUS DARMSTADT

Es ist jetzt schon ein Weilchen her, dass Patrick Lobacher auf der Webtech Conference 2014 im Interview mit dem PHP Magazin seine provokante These „Design war schon immer eine Lüge“ erläutert hat.

Das Thema gab auch uns bei 360VIER Anlass zur Diskussion.

Worum geht es?

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Aufbauend auf seiner provokativen Antiphrase „warum Responsive Webdesign scheitern muss“ erklärt Lobacher anfangs im Interview, warum Responsive Webdesign (RWD) viel mehr ist als ein technisch beherrschbares Problem und die dahinter liegenden Prozesse entscheidend für den Erfolg sind. Das bisherige Design-Verständnis muss auf Agentur- aber vor allem auf Kundenseite ganzheitlich umgedacht werden. Design bleibt demnach zwar die Schlüsselinstanz bei Web-Projekten, darf aber nicht mehr der zentrale Ausgangspunkt für die darauf folgenden Prozesse sein. Es geht nicht mehr um Layouts, sondern um die Marke, die generelle Anmutung, um Emotionen – um Design eben. Der Kunde muss dabei akzeptieren, dass er bei einem RWD nicht hunderte oder gar tausende Layouts für die verschiedenen Ansichten und Breakpoints seiner Website bekommt. Die User-Experience rückt in den Fokus, ohne dabei die wichtigen CI-/CD-Faktoren zu vernachlässigen.

Und warum ist dann Design eine Lüge? Weil Entscheidungen, die auf Basis eines Design-Layouts getroffen werden, willkürlich nach den Kategorien „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ ausfallen. Dabei wären deutlich mehr „Micro-Entscheidungen“ nötig, um die eigentliche Design-Arbeit zu würdigen. Hier kommt das sogenannte Atomic Design ins Spiel. Auch hier steht am Ende wieder ein Layout, aber in der Entscheidungsphase sieht der Kunde nur Basiselemente. Aus diesen lassen sich dann im Laufe des Prozesses durch kleine Iterationen das Gesamtbild agil und dynamisch herausarbeiten. Es ist dann die Summe seiner Entscheidungen und gibt Entwicklern und Designern einen detaillierten Fahrplan vor.

Bisher greifen viele Agenturen für die Umsetzung von RWD-Projekten auf bestehende Frameworks zurück, die bei der Entwicklung der Webseite nur vermeintlich viel Zeit sparen. Bootstrap, Foundation oder Skeleton seien als Beispiele genannt. Diese bieten ein sogenanntes <a href=“http://t3n.de/news/grid-responsive-webdesign-tutorial-544519/“>Grid</a> an, um Inhalte auf der Seite zu platzieren. Beim Definieren von Breakpoints, Abständen und Auflösungen nehmen diese dem Entwickler theoretisch sehr viel Arbeit ab. Layouts werden von den Designern bereits passend für das jeweilige Grid angelegt. Damit sind aber nie alle Breakpoints und Bildschirmgrößen angepasst – hier lässt man die Entwickler alleine. So entstehen nervige Rückfragen zwischen Entwicklung und Design und zusätzliche Feedback-Loops mit dem Kunden.

Möchte man daran etwas ändern, muss man die internen Prozesse anpacken. Natürlich kann man gleich <a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Scrum“>Scrum</a> einführen, aber auch hier lässt sich mit kleinen Anpassung Einiges erreichen.

Was bedeutet das in der Praxis?

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Was lernen wir daraus?

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Der Kundenberater/Projektmanager/Vertriebler sollte RWD nicht mehr als Add-on oder zusätzliches Feature verkaufen, sondern das Verständnis für den dahinter stehenden Prozess von Anfang an zur Voraussetzung machen.

Der Designer muss zwar nicht, wie Lobacher wieder sehr zugespitzt sagt, Photoshop „in die Tonne klopfen“. Aber er muss beginnen, die eingesetzten Programmiersprachen zu verstehen, um lösungsorientiert arbeiten zu können.

Die Entwickler müssen ein Gefühl für grafisches Design und Ästhetik entwickeln und beim atomaren Webdesign auch gestalterische Fragen mitdenken.

Dass Scrum hierfür die einzige effektive Möglichkeit ist, wie Lobacher es durchblicken lässt, ist sicherlich umstritten. Eine Agentur sollte am besten aber gar nicht generell entscheiden, mit Scrum zu arbeiten oder nicht. Realistisch gesehen gibt es gerade bei kleinen Agenturen viele Projekte, die sich mit Wasserfall-Projektmanagement sehr effizient durchführen lassen – und sicherlich sind hier auch Mischformen verschiedener Projekt-Management-Methoden sinnvoll.

Wir bei 360VIER haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Prozesse auf Agenturseite – think responsive – scheinbar sehr viel einfacher anzupassen sind als das Design-Verständnis auf Kundenseite. Nicht alles, was man nicht versteht, ist eine Lüge.

Danke an die Kollegen Sebastian und Joel für den thematischen Input.